Blickwinkel Waldbrandmanagement-Interview mit Detlef Maushake

Waldbrandmanagement ist eine integrale Aufgabe. Das heißt, Akteure aus ganz verschiedenen Bereichen arbeiten gemeinsam an einem ganzheitlichen Waldbrandmanagement und dazu gehört neben dem eigentlichen Feuerlöschen auch die präventive Arbeit, um die Resilienz der Wälder zu erhöhen und damit die negativen Effekte von Bränden zu minimieren. Waldbrandmanagement setzt voraus, dass ganz verschiedene Sektoren und Waldbesitzarten beteiligt sind und die Interviewreihe soll die verschiedenen Stimmen des Waldbrandmanagements näher beleuchten.


Detlef Maushake geht durchs Feuer, um andere besser darauf vorbereiten zu können. Er ist Gründer und 1. Vorsitzender des Waldbrandteam e.V , ein wichtiger Projektpartner von WKR. Das Waldbrandteam ist ein Zusammenschluss von Feuerwehrleuten, spezialisiert auf Vegetations- und Flächenbrände und daher im akuten Brandfall oft als Experten vor Ort vertreten. Darüberhinaus bietet das Team um Detlef Maushake regelmäßig Fort- und Ausbildungen an, unter anderem zum "kontrollierten Brennen als Präventivmaßnahme im Waldbrandmanagement" und zur "Flächenpflege im Naturschutz". Im Rahmen des WKR Projekts, konnte bereits ein gemeinsames Ausbildungsseminar in Munster ("Leben in der Lage") veranstaltet werden.

Die Fragen stellte Maria Schloßmacher.



-Wie kamst du zum Thema Waldbrand?

"Während eines Besuches bei der Feuerwehr von Los Angeles County 1997 konnte ich Einblicke in deren Arbeit bei der Waldbrandbekämpfung bekommen und seitdem fasziniert mich das Thema."


-Wenn es brennt, nicht nur im Wald, bist du mittendrin. Wie bereitet man sich auf das, was einen im Einsatz erwartet, vor?

"Ausschlaggebend ist eine gute Ausbildung und ein gutes Team. Man versucht sich immer mit neuen Szenarien zu fordern, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein."


D.Maushake leitet eine Übung.Photo:M.Schloßmacher

-Was war dein größter Waldbrandeinsatz?

"Das Sayre Fire 2008 in Los Angeles County, bei dem ich als Trainee zum Crewboss dabei war. Wir waren in der ersten Nacht im Oakridge mobile home park eingesetzt und die Bilder der Nacht wirken immer noch nach wenn ich daran denke."


-Nehmen Waldbrände in Deutschland zu?

"Nicht nur Waldbrände, sondern Vegetationsbrände allgemein wie z.B. auf Heide- und Freiflächen."


-Woran hapert es in Deutschland noch bei der praktischen Waldbrandbekämpfung?

"Aus meiner Sicht an der Ausbildung der Feuerwehr und der Forst sowie anderer Beteiligter im Sinne einer einheitlichen, auf den Einsatz bezogenen Ausbildung. Die normale Feuerwehrausbildung befähigt die Feuerwehrangehörigen gut für das “tägliche” Geschäft, aber ein Vegetationsbrand erfordert eine andere Herangehensweise."


-Wie lässt sich “Vorsorge statt Nachsorge” trainieren? Was macht ihr beim Waldbrandteam?

"Vorsorge bedeutet zum einen, Waldumbau und gezielte Vorbeugemaßnahmen, um Brände zu vermeiden und deren Ausbreitung zu verhindern, zum anderen müssen wir verstehen, dass ein Vegetationsbrand nicht gleich den GAU für die Umwelt darstellt. So wird Feuer beispielsweise ja auch zur Erhaltung von Gras- und Heidegesellschaften benutzt.

Wir sind eine der wenigen Einheiten in Deutschland, die sich mit dem kontrollierten Brennen und dem Feuereinsatz zur Brandbekämpfung auskennen, so dass wir uns eher als Teil des Feuermanagements sehen, denn als reine Brandbekämpfer."


-Wie lassen sich andere für die Thematik motivieren?

"Die Feuerwehren und der Forst haben die Notwendigkeit erkannt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, hier sind wir auch oft in der Ausbildung aktiv. Meistens gelingt eine Motivation gut mit dem Vergleich der Vorgehensweise aus anderen Ländern, die wir durch unsere Ausbildungen auf Deutschland adaptieren. Das Interesse ist eher schneller da, als dass man Überzeugungsarbeit leisten muss, weil jede Feuerwehr und die Forst schon mal negative Erfahrungen bei Einsätzen sammeln musste."


-Ihr habt im Waldbrandteam immer mehr Frauen, einen Rat für unentschlossene Feuerwehrfrauen?

"In unserem Team haben wir derzeit 4 Frauen, die sich sehr umfangreich engagieren. Jeder findet bei uns seinen Platz und ein Feld, in dem er oder sie sich einbringen mag. Im Zweifelsfall kann man unentschlossene Feuerwehrfrauen nur bitten, sich mal unter der email info@waldbrandteam.de mit uns in Verbindung zu setzen und ein Gespräch mit unseren Führungskräften zu führen. Dabei lassen sich Fragen und Bedenken gut klären, ohne dass man gleich ein Eintrittsgesuch ausfüllen muss."


-Zum Schluss noch ein kleiner Ausblick: Was erhoffst du dir von WKR?

"Das WKR Projekt hat uns jetzt schon sehr viel an positiven Impulsen gebracht. Der Austausch mit allen Stakeholdern über das Thema bringt für alle Seiten Vorteile und wir hoffen auf eine weitere Entwicklung des Themas in Deutschland. Ohne WKR wären wir nicht in der Lage gewesen, den Kurs zum Feuereinsatz in Munster (s.o.) so schnell und gut auf die Beine zu stellen."


Graphic: Gabriela Rueda