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Damit Ihr Waldvermögen nicht in Rauch aufgeht!

Fortbildung Waldbrandvorbeugung und –bekämpfung im privaten Waldbesitz

Text: Eckard Klasen, Forstdirektor a.D. des LWK Forstamtes Südostheide


Mit dem Titel „Damit Ihr Waldvermögen nicht in Rauch aufgeht!“ luden die Forstbetriebsgemeinschaften Celler Land, Ostheide und Südheide, vertreten durch den Geschäftsführer Volker Schulte, am 23.11.2023 je zwei Vertreter der Vorstände der 19 örtlichen Forstbetriebsgemeinschaften, das Forstpersonal des Landwirtschaftskammer Forstamtes Südostheide sowie die Landräte und Kreisbrandmeister der Landkreise Celle, Gifhorn, Lüchow-Dannenberg und Hannover ein. Der Fortbildungsort Eversen in der unmittelbaren Nähe zum Beispielrevier für Waldbrandprävention für Forst- und Feuerwehrleute, der Klosterkammerförsterei Miele, war gezielt gewählt.



Es war bereits ein großer Erfolg der Veranstaltung, so viele Vertreter verschiedener Institutionen zu einer Waldbrandfortbildung zusammen zu bringen – organisations- und waldbesitzübergreifend. Auch die drei Kreiswaldbrandbeauftragten der Landkreise Celle, Gifhorn und Lüchow-Dannenberg sowie der Kreisbrandmeister von Lüchow-Dannenberg beteiligten sich an der Fortbildung.

Sonstige vertretene Organisation waren das Landwirtschaftsministerium, die Unteren Naturschutzbehörden Celle und Gifhorn, der Waldbesitzerverband Niedersachsen, die Waldbrandversicherung AXA und das WKR Projekt, ansässig am European Forest Institute.


In seinen einführenden Worten hob der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaften, Diplom-Forstwirt Volker Schulte, die große wirtschaftliche Bedeutung der im Besitz von 6.000 Waldbesitzenden stehenden 100.000 ha Waldfläche hervor. Rund 1,5 Mrd. € betreutes regionales Waldvermögen ist vielen als wirtschaftliche Größe nicht bekannt. Auch die Speicherung von geschätzt 35 Millionen Tonnen Kohlenstoff ist eine klimarelevante Größe.


Der Klimawandel ist real

Warum Waldbrandprävention? Das war der Einstieg für den Fortbildungstag. Die Waldbesitzerin und Försterin Elke Urbansky zeigte das naturgegebene hohe Waldbrandrisiko der Region auf. Dieses wird verstärkt durch die Klimaerwärmung. Das Klimaziel einer maximalen Erwärmung von 1,5 Grad ist nicht mehr möglich. Bis dahin spricht die Wissenschaft von bedrohlichen Entwicklungen. Darüber ist mit existenziellen bedeutsamen Veränderungen zu rechnen.

Das Jahr 2023 sticht im 40-jährigen Temperaturmittel mit hohen Temperaturen ab der Jahresmitte hervor. 2023 ist der wärmste Oktober seit Wetteraufzeichnung. Dies wahr und ernst zu nehmen und proaktiv an dem Thema Waldbrandvorbeugung zu arbeiten, fasste Elke Urbansky mit dem Satz zusammen: “Hoffnung ist keine Strategie“. In einer Region mit vielen Waldbesitzarten einen waldbesitzübergreifenden Prozess der Zusammenarbeit zu beginnen, um Wälder zu schützen und die Löschbarkeit der Wälder durch Feuerwehren auch in Zukunft zu ermöglich, hält Elke Urbansky für alternativlos.


Es gibt technische Einsatzgrenzen für Feuerwehren, auch für die weltbeste Feuerwehr!

Der Vegetationsbrandexperte und ehemalige Feuerwehrmann Dr. Michael Herrmannzeigte in seinem Vortrag die Einsatzgrenzen der Feuerwehr im Wald auf. Das Ausmaß der Waldbrandkatastrophe 1975 wurde weitgehend den Feuerwehren angelastet. Diese Schuldzuweisung ist so falsch wie unberechtigt, so Dr. Michael Herrmann. Die Brände in den Landkreisen Gifhorn, Celle und Lüchow-Dannenberg konnten nur ein solches Ausmaß erreichen, weil extreme Witterungsbedingungen und ein Überangebot an Brennstoff (auch in Folge des Orkans Quimburga in 1972) zusammentrafen. Bei der Struktur der betroffenen Waldgebiete (vorrangig Kiefernjungbestände) und angesichts des Fehlens von Präventionsmaßnahmen (ein Feuerwachturm ist ebenso wenig Prävention im eigentlichen Sinne wie ein Kameraüberwachungssystem) ließ eine erfolgversprechende Bekämpfung der Brände allenfalls in einem schmalen Zeitfenster von ca. 30 Minuten nach Ausbruch zu. Aufgrund des Feuerverhaltens sowie der durch das Feuer erzeugten Energiemengen überstiegen die Brände nach diesem Zeitfenster die Möglichkeiten der Feuerwehren zur direkten Brandbekämpfung. Dies ergibt sich aus den rein physikalischen Gesetzen eines Vollfeuers im Wald. 

Unter gleichen Bedingungen wäre trotz einer verbesserten Ausstattung der Feuerwehren auch heute eine direkte Brandbekämpfung nicht erfolgversprechend. Dies gilt selbst im Fall des Einsatzes von Löschflugzeugen nach der Anfangs- bzw. Entstehungsphase eines Brandes! Das Risiko von Katastrophenbränden wie jenen von 1975 lässt sich nachhaltig nur durch vermehrte Prävention im eigentlichen Sinne (gerade durch waldbauliche Maßnahmen) senken. Dazu gehört auch eine vermehrte Akzeptanz von Feuer sowohl im präventiven wie auch im taktischen Einsatz - mag dies auf den ersten Blick auch paradox klingen. Technische Einsatzgrenzen bei der weiteren Entwicklung der Waldbrandbekämpfung zu akzeptieren ist die Grundvoraussetzung, um auch die Waldeigentümer stärker in die Waldbrandvorbeugung durch waldbauliche und forststrukturelle Maßnahmen mit einzubeziehen.


2022 – bisher größtes Schadensabwicklungsjahr für die AXA

Der größte deutsche Waldbrandversicherer, die AXA, vertreten durch den Forstwissenschaftler Andreas Wiese, begann mit der Aussage: „Wer den Wald schützt hat Sympathien“. Auf die vielfältigen Funktionen und die große Bedeutung der Wälder ging Wiese mit beeindruckenden Bildern und Grafiken ein.

Wurden Waldbestände früher nur bis zu einem Alter von 40 Jahren ausschließlich gegen Waldbrand versichert, hat sich das Angebot bis heute zu einer viele Risiken umfassenden Versicherung entwickelt. Neben Waldbrand gehören heute auch Sturmschadens- und Haftpflichtversicherung als Anpassung an die gestiegenen Risiken dazu.

Ob ein Löscheinsatz der Feuerwehr dem Eigentümer in Rechnung gestellt wird, ist in Deutschland sehr unterschiedlich, weiß der bundesweit aktive Versicherer. Die Finanzierung einer Professur zum Thema Waldbrand durch die AXA zeigt das Interesse der Firma an der Dynamik der Veränderung. Ist das Versicherungsmodel Waldbrandversicherung noch zukunftsfähig?

Werden Waldbrandvorsorgemaßnahmen im Privatwald vernachlässigt, wie beispielsweise die Wegepflege, kann das kurz- und mittelfristig zu veränderten Beitragssätzen oder im Schadenfall zu reduzierten Auszahlungsbeträgen der Schadenssummen bis hin zum Verlust der Waldbrandversicherung führen.

In seinem langen beruflichen Wirken hebt Andreas Wiese hervor, dass das Schadensjahr 2022 eines der arbeitsreichsten war.


Feuerfaktoren – wichtige Grundlagen

Die langfristige Anpassung der Wälder ist für den Schutz vor Waldbränden von enormer Bedeutung- die Prävention ein entscheidender Faktor im Waldbrandmanagement. Jede Grundlagenvorlesung zum Thema Vegetationsbrand, jede Ausbildung in Vegetationsbrand weltweit beginnt mit dem „Feuerdreieck“, so begann Alexander Held, Forstwissenschaftler und Feuerökologe. Mit seiner weltweiten Erfahrung im Bereich Feuerbekämpfung und Feuerprävention zeigte er eine große Bandbreite an Möglichkeiten der Waldbrandprävention auf.


Das Feuerdreieck besteht aus Sauerstoff, Wärmeenergie und Brennmaterial. Diese Voraussetzungen müssen gleichzeitig vorhanden sein für eine Verbrennung. Darauf folgt dann üblicherweise das „Feuerverhaltensdreieck“, bestehend aus Wetter, Topografie und Brennmaterialeigenschaften. Diese Faktoren beeinflussen wie schnell, wohin, wie intensiv und wann sich ein Feuer ausbreitet, es beschreibt also das Feuerverhalten. Die wichtigsten Größen im Beziehungsgefüge der beiden Dreiecke sind Wind (Richtung und Geschwindigkeit), Hangausrichtung (Ausrichtung des Geländes, Himmelsrichtung, Sonneneinstrahlung), Hangneigung (je steiler desto schnellere Feuerausbreitung) und die Brennmaterialeigenschaften (Art, Menge Struktur der brennbaren Vegetation). Können diese Faktoren und ihre Wechselwirkung bei einem Vegetationsbrand gut verstanden werden, lassen sich daraus Strategie und Taktik logisch herleiten (ETW: Einfache Taktische Waldbrandprognose).

Feuerdreieck

Der gemeinsame Nenner aus den beiden oben erwähnten Dreiecken ist das Brennmaterial, also die Vegetation. In diesem Kontext also beim Thema Waldbau und Waldumbau. Nicht nur während eines Brandes lässt sich Vegetation entfernen, um die weitere Ausbreitung eines Brandes zu stoppen. Vor allem präventiv können wir Vegetation in Art, Menge, Struktur und damit in ihrer Verfügbarkeit als Brennmaterial beeinflussen. Reduktion von Brandlast an strategisch ausgewählten Plätzen, entlang geeigneter Waldwege usw. lässt sich eben waldbaulich beeinflussen, manchmal gar mit Naturschutzmaßnahmen kombinieren. Man kann zwischen kurzfristigen, technischen Maßnahmen, wie z.B. Feuerschneise, Wundlinie, Pufferzonen, etc. und dem langfristigen Waldumbau mit Baumartenwahl, Bestandsstruktur, Wasserspeicherkapazität, Boden- und Humusanreicherung das Brandrisiko auf großer Fläche senken.


Feuerverhaltensdreieck

Es muss immer lokal abgestimmt werden welche Maßnahmen in welchem Umfang und mit welchem Zeithorizont kombiniert werden können, um einerseits das Waldbrandrisiko zu minimieren und andererseits die Waldbrandbekämpfung für die Einsatzkräfte der Feuerwehr möglichst effizient und sicher präventiv zu unterstützen. Dies kann also durchaus mehr sein, als Wasserentnahmestellen und Wegebau, wobei das immer ein guter Anfang.

Damit Brände, die über die übliche Kontrollschwelle hinausgehen, im Griff zu behalten braucht es regional angepasste Lösungen. Verschiedenes Anregungen die von klassischen Schutzstreifen, Wundstreifen, Laubholzriegel wurden aufgezeigt bis hin zum immer wieder sehr betonten miteinander reden, reden, reden zwischen allen Beteiligten in der Waldbrandvorsorge.



 

Der vom WKR-Projekt neu herausgegebene Paxisratgeber „Resilienz durch Waldbrandprävention im forstlichen Management“ ist ein guter Hinweisgeben für weitere Schritte in den Forstbetriebsgemeinschaften. (https://www.waldbrand-klima-resilienz.com/module)

Am Nachmittag wurden Praxisbeispiele der Waldbrandprävention in der Revierförsterei Miele der Klosterforsten vom Revierleiter Jost Schonlau vorgestellt, der seit diesem Jahr auch Kreiswaldbrandbeauftragter des Landkreises Celle und wie er selbst betont „Kreiswaldbrandvorsorgebeauftragter“ ist.


Wendland-net hat über die Fortbildung berichtet. Zum Artikel geht es hier.

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