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Experten fordern bessere Waldbrandbekämpfung

Während die ersten Frühlingsboten Berlin erreichen, und die Vegetation auf die Sonne wartet, berät der Innenausschuss des Bundestages in einer öffentlichen Anhörung zum Thema Waldbrandschutz. Dabei haben die von den Fraktionen eingeladenen Sachverständigen eine Verbesserung der Waldbrandbekämpfung gefordert.


Die Einigkeit der Experten ist eine, aber nicht die alleinige positive Entwicklung, sagt Alexander Held. Der WKR Projektleiter und Waldbrandexperte am European Forest Institute war von der Partei Bündnis 90/ Die Grüne eingeladen und betonte in seinem Statement, dass eine bessere Ausbildung und damit zusätzliche Investitionen im Zivilschutz nötig seien. Es braucht einen ganzheitlichen Ansatz, oder auch "Integrated Fire Management" genannt. Dieser beinhaltet zudem eine bessere Vernetzung der beteiligten Akteure, denn Waldbrand ist eine integrale Aufgabe, die alleine von der Feuerwehr nicht gelöst werden kann. Eine Abwälzung der Verantwortung auf die Feuerwehr alleine, sei zudem unfair.



Auch der Zeitpunkt der Anhörung ist eine positive Entwicklung, sagt Alexander Held. Sich auf politischer Ebene auszutauschen und über das Thema Waldbrand zu diskutieren, bevor es brennt, ist ein gutes Zeichen, dass man das Thema in der Prävention angehen möchte. Denn der Ansatz der "Bekämpfung" von Vegetations- und Waldbränden führt langfristig in eine Sackgasse. Stattdessen sollten Maßnahmen der Vorsorge gestärkt werden.

Er plädierte zudem für die Errichtung einer unabhängigen „Plattform Waldbrand“ auf Bundesebene - im engen Austausch mit den Bundesländern. Sie könnten ganzheitliche Ansätze für Forschung, Beratung, Führung oder internationalen Austausch den Ländern, Verwaltungen, Feuerwehren und Waldbesitzern zur Verfügung stellen.



Zuvor wurden die Statements von Andreas Bitter (Präsident Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände), Ulrich Cimolino (Ak Waldbrand Deutscher Feuerwehrverband), Johann Goldammer (Global Fire Monitoring Center) und Tobias Hallas (@ fire) angehört. Es folgten weitere Einschätzungen von Susanne Klatt (Feuerwehr- und Rettungsakademie, Feuerwehr Essen), Daniel Kurth (Landrat Kreis Barnim) Siegfried Maier (Bundesvorsitzender der Deutschen Feuerwehr Gewerkschaft, Hermann Schröder (ehemaliger Beamter in der Abteilung „Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement“, Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg) und Kirsten Thonicke (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung).

So rechnete Andreas Bitter in aller Deutlichkeit vor, wie viel Kosten durch Waldschäden entstanden sind und welche Mammutaufgabe die Waldbesitzenden erwartet, den Wald klimastabil umzubauen, um ihn besser gegen Störungen aufzustellen. Dieser resiliente Wald ist der wesentliche Faktor eines präventiven Waldbrandschutzkonzeptes. Dabei gilt, dass anfällige Reinbestände in strukturelle Mischwälder überführt werden. Da setzt auch die Forschung von Kirsten Thonicke an. Sie sagt, Bewusstseinsbildung für die Gefahr von Waldbränden ist der Ausgangspunkt für Präventionsarbeit. Zu ihren Empfehlungen gehörte, die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Risiken des Waldbrandes und möglicher Ursachen und deren Folgen für den Wald und die Gesundheit der Menschen zu aktualisieren und zu modernisieren. Wichtig sei es auch, die Datenerhebung zu verbessern, um die Veränderung des Waldbrandgeschehens auch in Zukunft wissenschaftlich fundiert begleiten zu können. Daniel Kurth plädiert darüber hinaus dafür, dass Brandschutzerziehung ein Thema in den Schulen wird.

Hermann Schröder betonte, dass die Belange der Waldentwicklung und Notwendigkeiten des Brandschutzes nicht als Gegenpole gesehen werden. Beides müsse in enger Partnerschaft Hand in Hand entwickelt werden.


Bilder von Waldbränden haben die meisten Experten vor Augen, weil sie schon hautnah Waldbrände erlebt, oder im Einsatz dabei waren. Ulrich Cimolino setzt sich für eine Beschaffung leistungsfähiger Hubschrauber ein, sowie eine gezieltere Ausbildung für die Anwendung der Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung aus der Luft. So sieht es auch Susanne Klatt, die erklärte, dass die Ausrüstung der Feuerwehren bei unwegsamen Gelände schnell an Grenzen stößt. Jan Hallas plädiert für eine bessere Abstimmung und Struktur bei der Waldbrandbekämpfung aus der Luft. Siegfried Maier befürwortet die Forderungen und betont, dass das Löschen mit diesen Einsatzmitteln spezielles Wissen und Können erfordert, weshalb auch die Vorhaltung von speziellen Flug-Crews notwendig sei. Löschflugzeuge und Löschhubschrauber müssten parallel vorgehalten werden, um den unterschiedlichen topographischen Gegebenheiten gerecht zu werden.


Die der Anhörung vorangegangen Anträge von CDU/CSU (20/3693 - „Nationale Kraftanstrengung für einen besseren Waldbrandschutz“) und Die Linke (20/4418 - „Beschaffung von Löschflugzeugen für die Waldbrandbekämpfung“)), sowie die vorab eingereichten Statements der Sachverständigen und die komplette Anhörung im Video, können hier abgerufen werden : www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2023/kw16-pa-inneres-waldbrandschutz-941606


Photos: WKR Projekt/ M.Schloßmacher

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