Blickwinkel Waldbrandmanagement- Interview mit Elke Urbansky

Waldbrandmanagement ist eine integrale Aufgabe. Das heißt, Akteure aus ganz verschiedenen Bereichen arbeiten gemeinsam an einem ganzheitlichen Waldbrandmanagement und dazu gehört neben dem eigentlichen Feuerlöschen auch die präventive Arbeit, um die Resilienz der Wälder zu erhöhen und damit die negativen Effekte von Bränden zu minimieren. Waldbrandmanagement setzt voraus, dass ganz verschiedene Sektoren und Waldbesitzarten beteiligt sind und die Interviewreihe soll die verschiedenen Stimmen des Waldbrandmanagements näher beleuchten.



Elke Urbansky ist Teil des Teams des Waldpädagogikzentrums (WPZ) Ostheide der Niedersächsischen Landesforsten. Das WPZ bietet abwechslungsreiche Programme für Kinder und Jugendliche rund um das Thema Wald an.

Sie ist Försterin, zertifizierte Waldpädagogin und zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin. Als Mitgründerin eines Waldkindergartens liegt Ihr der frühkindliche Umgang von Kindern mit Natur und dem Wald besonders am Herzen. Vielfältige positive Naturerfahrung und das Naturerleben im Waldes wirken sich sehr positiv auf die kindliche Entwicklung aus und bilden ein Fundament für eine ganzheitliche Bildung auf dem Weg zu glücklichen Menschen. Über die Zusammenarbeit mit Elke wurden zwei WKR Löschmodule vermittelt: Zum einen an die Niedersächsischen Landesforsten für die Waldbrandpädagogik, das andere Modul steht 320 Waldbesitzern in Ehra, in der Südostheide, zur Verfügung.


-Du bist Försterin, wie kamst du zum Thema Waldbrand?

In den Jahren 2018 bis 2020 habe ich viele Monate im niedersächsischen Solling Forstamt Dassel bei der Aufarbeitung der Sturmschäden von Friederike 2018 und der nachfolgenden Borkenkäferkalamitäten mitgearbeitet. Die Waldverluste durch zerstörte, aufgerissen Waldbestände mit viel Restholz waren leider ein täglicher trauriger Anblick. Durch ein Telefonat mit einem Kollegen aus meinem Heimatort Gartow habe ich den Verein ForestFireWatch kennengelernt. Das von dem Verein im Jahr 2020 herausgebrachte Buch „Grundlagen der Vegetationsbrandbekämpfung“ hat dazu geführt, dass ich mich mit dem Thema eingehender beschäftige. Über den Verein ForestFireWatch entstand der Kontakt zum Waldbrand Klima Resilienz (WKR) Projekt.

In der Corona-Zeit ins Homeoffice verbannt, sah ich eine Chance darin, Zeit zu haben, inhaltliche Schwerpunkte im WPZ Ostheide herauszuarbeiten und waldpädagogisch weiterzuentwickeln. Mit der Unterstützung von ForestFireWatch und WKR entstand ein Programm, das zur Sensibilisierung in Sachen Waldbrandgefahr und zum Kompetenzerwerb beim Umgang mit Feuer beitragen soll. Neben dem Kennenlernen des Waldes als Brennstofflager, lernen die Kinder erlebnisorientiert mit Feuerstählen selbst ein Feuer zu entfachen. Aus dem Wald mitgebrachtes: Holz, Zweige, Humus, Moos, Rinde usw. wird auf dem Schulhof angezündet und darf dann mit einem Löschrucksack, Feuerpasche, Sandschaufel usw. – also modernen Handgeräten der Vegetationsbrandbekämpfung, gelöscht werden. Und jedes Feuer wird luftdicht mit Sand abgedeckt, damit es sich nicht wieder entzünden kann. Kinder, die das einmal selbst gemacht haben, können in Zukunft hoffentlich sicher damit umgehen. Das ist das Ziel!



-Wie reagieren Kinder und Jugendliche in euren Workshops auf das Thema Waldbrand?

Da das Thema im Wald vermittelt wird, sind Kinder oft erstaunt darüber, was dort alles so brennbar ist. Insbesondere, dass die Humusschicht und die Vegetation brennen kann, überrascht die meisten Kinder. Die Unterscheidung von Mineralboden und Humus ist ihnen unbekannt. Die Kinder können im Wald alles sehen, fühlen und schmecken und lernen damit den Wald aus einer anderen Perspektive zu sehen. Förster sprechen von Bäumen und Holz im Wald, Feuerwehrleute nennen es Brandlast.

Am meisten begeistert die Kinder das eigenständige Feuer entfachen mit Feuerstählen und dieses mit einem echten Löschrucksack oder Feuerpatschen zu löschen.



-Es ist gängiger Irrglaube, dass die häufigste Brandursache Blitze sind. Wie reagieren Kinder darauf? Ist das bekannt?

Dass Blitzschlag eine absolut seltene Ursache für Waldbrände ist, wissen viele Kinder und Jugendliche nicht. Häufig wird auch die im Wald liegen gelassene Glasflasche als Waldbrandursache genannt. Wissenschaftlich ist nachgewiesen, dass Glasflaschen in äußerst seltensten Fällen zu einem Brand führen können. Dieses Märchen hält sich so gut wie, dass Spinat eisenhaltig ist!



-Wie vermittelst du waldbrandspezifische Inhalte?

Der Vorteil eines Waldpädagogikzentrums ist, dass unser häufigster Lernort der Wald ist, in dem wir unsere Inhalte vermitteln. Durch verschiedene Methoden bespricht und bearbeitet man Themen. Die Kinder erkunden den Wald mit den Augen der Feuerwehr und lernen Begriffe wie Bodenfeuer und Kronenfeuer.

Der Kompetenzerwerb des Feuermachens und das sorgfältige Löschen eines Feuers kann meist nur auf dem Schulhof stattfinden, oder über verschiedene Experimente zu Aha-Erlebnissen führen. Wichtig ist mir dabei, dass jedes Kind durch eigenes Tun lernt, wie zum Beispiel das Entfachen eines Feuers mit dem Feuerstahl. Die unmittelbare Erfahrung, dass ein Funke reicht, um ein Feuer entstehen zu lassen, soll hoffentlich in Zukunft einen sensiblen Umgang mit Feuer erreichen.

Gleichzeitig werden die Kinder spielerisch an das Löschen eines Feuers mit einem Löschrucksack und anderen Geräten herangeführt. Vielleicht für viele Kinder die erste Löscherfahrung in Ihrem Leben. Wenn die Feuerstelle schlussendlich entweder mit einem Spaten oder mit den Kinderhänden komplett mit Sand oder Erde abgedeckt ist, sodass keine Luft mehr zum Brennstoff kommt, der ggf. noch glüht, haben größtenteils alle Kinder praktisch dazu beigetragen ein Feuer ganz sicher zu löschen und haben nebenbei Sand als Löschmittel für den Fall der Fälle auch kennengelernt.



-Inwieweit können Netzwerke, wie WKR, deine Arbeit unterstützen? Welche Rolle spielen sie für die Waldbrandpädagogik?

Das WKR Netzwerk und der Verein ForestFireWatch haben mich fachlich unterstützt und ich bin für diese fachkompetente Unterstützung sehr dankbar. Das Wort Waldbrandpädagogik habe ich letztes Jahr das erste Mal gehört von Dr. Michael Hermann (ForestFireWatch). Ich konnte über das WKR Projekt an einem internationalen Online-Meeting zum Thema „education und risk awareness“ teilnehmen, was mich sehr motiviert hat im WPZ Ostheide ein waldpädagogisches Programm zum Thema Wald Feuer und Klima zu entwickeln.



-Fallen dir Umstände ein, bei der die erhöhte Sensibilisierung für das Thema einen aktiven Beitrag zur Waldbrandprävention leisten kann?

Alles, was wir Menschen in Zusammenhang mit Feuer tun, kann zu Waldbränden führen. Je mehr Respekt man vor der Gewalt eines Waldbrandes hat, desto mehr Vorsicht lässt man walten, bei allem was man tut.



-Wenn du einen Wunsch frei hättest: Welcher Faktor würde deine Arbeit in der Waldbrandpädagogik erleichtern?

Die Bildungseinheit „Wald Feuer Klima“, die im Waldpädagogikzentrum Ostheide mit Unterstützung verschiedener Partner entwickelt worden ist, würde ich gern kostenlos für Schulen anbieten. Es gibt bei den Landesforsten Standardabrechnungssätze für waldpädagogische Aktionen, an die wir gebunden bin. Es wäre also wunderbar, wenn es Sponsoren für das Thema „Wald Feuer Klima“ gäbe.

Ich halte diese Bewusstseinsbildung gerade direkt im Wald - zu sehen wie Dinge zusammenhängen -für so wichtig, dass Schüler in Ihrem Schulleben mit diesem Themenfeld mindestens einmal in Kontakt kommen sollten. Dabei sollte die Budgetfrage für dieses Thema bei einer Klasse nicht mit Veranstaltungen wie Ausflügen zu Freizeitparks, Theatern usw. konkurrieren.

Die Einführung eines landesweiten Präventionstages „Waldbrandvorsorge“ in Schulen in Niedersachsen gemeinsam mit der Feuerwehr und Vertretern des Waldbesitzes wäre vielleicht eine Idee! Schüler für Waldbrandvorsorge zu sensibilisieren und für den Weg in eine Jugendfeuerwehr zu motivieren, wäre aus meiner Sicht ein Hauptanliegen dabei.